Immer wieder ist die Trockenheit auch im Toggenburg ein Thema. Aktuell führen einige Quellen kein oder nur wenig Wasser. Die Nutzung von Brauchwasser kann die Trinkwasserressourcen entlasten.
Text: Patricia Wichser
Brauchwasser (Betriebswasser) ist einfach gesagt Nutzwasser ohne Trinkwasserqualität und kann durch das Sammeln von Regenwasser gewonnen werden. Im Haushalt wird es zurBewässerung, Toilettenspülung, Putzen oder für Waschmaschinen genutzt. Heute liegt der Verbrauch pro Person im Schnitt bei 150 Liter Wasser pro Tag, wovon jedoch nur vier Liter tatsächlich getrunken oder zum Kochen verwendet werden. Alternativ verfügbares und kostenloses Regenwasser in Bereichen zu verwenden, in denen nicht unbedingt der Verbrauch von Trinkwasser nötig wäre, ist aus ökologischer Sicht sehr sinnvoll.
Von der Tonne zum Tank
Die einfachste Variante ist die bekannte blaue Regentonne, die das Dachwasser sammelt am Känel. Dieses Wasser wird dann zum Bewässern im Garten verwendet. Es ist auch besser geeignet als Trinkwasser aus der Leitung, da es keinen Kalk enthält. Diesen Wasserverbrauch kann man teilweise mit Regenwasser abdecken und die Wasserkosten entsprechend senkensowie Trinkwasserressourcen sparen.
Es gibt auch grössere Modelle, sogenannte Regenwassertanks die unterirdisch verbaut werdenund dafür bestimmt sind, den Garten zu wässern. Das Wasser, das von der Regenrinne durch ein im Grund verlegtes Zulaufrohr in den Tank fliesst, wird vorher gefiltert und im Tank gespeichert. Ein Überlaufen des Tanks ist nicht möglich. Ist dieser voll, wird es in die Kanalisation geleitet. Der Tank ist mit einer automatischen Tauchdruckpumpe ausgestattet.
Wasser für das ganze Haus
Ein unterirdischer Regenwassertank mit bis 10'000 Liter Fassung kann auch mit der Haustechnik verbunden werden - dann als Ergänzung. Auch hier wird das Dachrinnen-Wasser gefiltert, in den Tank geleitet und gespeichert. Mit einer Rohrleitung wird es an die Wasserversorgung gekoppelt. Ein Regulierungssystem schaltet die Pumpe automatisch ein, sobald Wasser benötigt wird und auch wieder aus. Ist der Tank leer wird automatisch das Trinkwassernetz angezapft, ohne das dies über den Tank geschieht. Die Unterteilung Regenwasser/Trinkwasser bleibt gewährleistet. Eine absolut sinnvolle Sache und durch das kalkarme Regenwasser werden die Maschinen im Haushalt geschont.
Einziger Haken: Die Pumpe benötigt Strom und bei einem bestehenden Haus muss ein separater Wasserkreislauf hergestellt werden, damit Regenwasser und Trinkwasservoneinander getrennt am richtigen Ort zum Einsatz kommt. Eine kostspielige Sache. Da ist es doch einfacher bei einem Neubau. Weiterer Haken: Für den Einbau oder den Betrieb gibt es keinerlei Subventionen, dazu kommt, ob und wieviel der Hauseigentümer/die Hauseigentümerin Vergünstigung auf die Abwassergebühr erhält, variiert von Gemeinde zu Gemeinde im Kanton St. Gallen.
Baselland als Vorreiter
Im Regenwassermanagement ist der Kanton Basel-Landschaft absoluter Vorreiter. Im August 2024 trat die «Richtlinie zur Regenwasser Retention» in Kraft. Diese beinhaltet, den Wasserkreislauf möglichst lokal, oberirdisch und naturnah zu erhalten. Die Richtlinie gilt für sämtliche Neubauten, Quartierplanungen und den generellen Entwässerungsplan. Der Kanton sieht Retentionsmassnahmen (Regenrückhaltungsmassnahmen) als ein wirkungsvolles Instrument zum Erhalt und zur Förderung des natürlichen Wasserkreislaufs. Diesem wird mitder Tendenz zunehmender Hitzeperioden und Trockenheitsphasen sowieStarkregenereignissen und den damit verbunden problematischen Effekten immer grössere Bedeutung beigemessen. Ein weiterer spannender Aspekt: In Fliessgewässern aber auch in der Kanalisation, können kurzzeitige hydraulische, stoffliche und thermische Belastungen durch gedrosselte Abflussspitzen und reduzierte Regen- und Mischwasserentlastungen verringert werden. Dazu kommt auch, dass Retentionsmassnahmen grosses Potenzial haben, in Siedlungsgebieten eine attraktive Umgebung mit kühlendem Effekt und Raum für Biodiversität zu schaffen.
Einen Schwammgarten anlegen
Apropos Biodiversität und lokaler Wasserkreislauf: Schwammgärten fördern die Klimaresilienz und sind in Deutschland und teilweise in der Schweiz ein Thema im Siedlungsbau und der Städteplanung. Er macht aber für HauseigentümerInnen Sinn. Ein Schwammgarten nimmt das Regenwasser wie ein Schwamm auf, speichert es und gibt es bei einer Trockenperiode langsam an die Pflanzen ab. Beim Schwammgarten wird dieWasserspeicherfähigkeit des Bodens mit einfachen Massnahmen verbessert, wie beispielsweise mit dem Humusaufbau (Speicherung). Weiter spielt die Geländegestaltung eine Rolle, welche die Versickerung fördert. Auch der Einsatz von natürlichen Materialien(Pflanzenkohle) zur Bodenverbesserung, wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt aus, indem sie eine schnelle Verdunstung verhindern.
Bildlegenden:
Brauchwasser_A: Die Dachfläche gibt viel Brauchwasser her, das dem lokalen Wasserkreislauf zugeführt werden könnte.
Brauchwasser_B: Der Garten wird am Häufigsten mit Brauchwasser bewässert – es wäre aber noch mehr möglich.


