• Unterschiedliche Entwicklung der St.Galler Regionen

Unterschiedliche Entwicklung der St.Galler Regionen

10.11.2020

Wie haben sich die St.Galler Regionen in den letzten Jahren entwickelt? Diese Frage im Auftrag des HEV Kanton St.Gallen in einer Wohnortstudie vertieft, die derzeit zusammen mit Fahrländer Partner ausgewertet wird. In den kommenden Ausgaben werden ausgewählte Auszüge vorgestellt.

Stagnierende Kantonshauptstadt
Die Bevölkerungsentwicklung fiel in den St.Galler Wahlkreisen stark unterschiedlich aus. Während beispielsweise der Wahlkreis Werdenberg für den Zeitraum 2010 bis 2018 mit rund 10 % das höchste regionale Bevölkerungswachstum aufweist, entwickelten sich die Bevölkerungszahlen im Wahlkreis Toggenburg mit rund 3.1 % am schwächsten.

Der Wahlkreis St.Gallen mit seinem Kantonshauptort überrascht überaus negativ: er wies derweil mit einem Plus von 3.9 % das zweittiefste Bevölkerungswachstum aller betrachteten Vergleichsregionen auf. In den Wahlkreisen Rheintal (8.3 %), Sarganserland (7.8 %) und See-Gaster (7.3 %) fiel das Bevölkerungswachstum im kantonalen Vergleich zwar überdurchschnittlich aus, im Vergleich zur Gesamtschweiz (8.6 %) jedoch unterdurchschnittlich. Es zeigt sich dabei auch, dass die Erreichbarkeit der Stadt Zürich einen wichtigen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre ausübt. So zeigen die Zahlen einen negativen Zusammenhang zwischen der ÖV- wie auch der MIV-Erreichbarkeit der Stadt Zürich und dem Bevölkerungswachstum zwischen 2010 und 2018.

Wanderungssaldi vom Ausland getrieben
In allen untersuchten Regionen ist das Bevölkerungswachstum massgebend von einem positiven Wanderungssaldo mit dem Ausland getrieben. Einzig die räumlichen Betrachtungsebenen Agglo Obersee und das Churer Rheintal weisen einen deutlich positiven Zuwanderungssaldo Inland für die Zeitdauer von 2013 bis 2018 auf. Der Wahlkreis Toggenburg weist mit 33.3 % im Jahr 2018 den höchsten Altersquotienten aller Vergleichsregionen auf. Gleichzeitig weist die Region mit 37.7 % auch den höchsten Jugendquotienten auf. In den Wahlkreisen Rheintal, Werdenberg sowie in der Region Wil wie auch im Kanton Thurgau – die Regionen mit dem höchsten Bevölkerungswachstum seit 2010 – präsentiert sich die Lage derweil günstiger. Zum einen ist der Jugendquotient vergleichsweise hoch und zum anderen liegt der Altersquotient auf vergleichsweise tiefem Niveau.

Betrachtet man die relativen Abweichungen zum Kanton St.Gallen in den restlichen Wahlkreisen ergibt sich ein insgesamt stark heterogenes Bild. So sind beispielsweise im Wahlkreis Rorschach junge Singles und Paare unter-, mittlere und ältere Singles sowie ältere Paare vergleichsweise stark vertreten. Im Wahlkreis Rheintal sind dahingegen mittlere Paare und Familien mit Kindern (altersunabhängig) sowie Wohngemeinschaften (altersunabhängig) vergleichsweise stark und Singles aller Altersklassen untervertreten. Interessant ist der Unterschied zwischen dem Wahlkreis See-Gaster und der Agglo Obersee. Während mittlere Singles und Paare im Wahlkreis See-Gaster vergleichsweise untervertreten sind, fallen deren Anteile in der Agglo Obersee vergleichsweise hoch aus.

Unterdurchschnittliches Reineinkommen – Abstand zum CH-Schnitt vergrössert
Das durchschnittliche Reineinkommen im Kanton St.Gallen liegt in den Wahlkreisen See-Gaster und Rorschach am höchsten. Darin zeigt sich die bevorzugte Lage (Nähe zum See) dieser Wahlkreise, welche einkommensstarke Haushalte anzieht, die sich die entsprechend höheren Immobilienpreise leisten können. Insgesamt liegt das durchschnittliche Reineinkommen im Kanton St.Gallen mit rund 78 000 CHF deutlich unter dem Schweizer Mittel von rund 87 700 CHF. Zudem hat sich dieser Unterschied seit 2009 vergrössert. Währenddem sich in den meisten Zürcher Gemeinden sowie in praktisch allen Gemeinden in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden die Steuerbelastung für einen Referenzhaushalt «Verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern» zwischen 2010 und 2018 gesunken ist, hat sich die Steuerbelastung in praktisch allen St.Galler Gemeinden erhöht. Insgesamt präsentiert sich die mittlere Steuerbelastung über alle Einkommensklassen hinweg, sowohl bei Familien wie auch bei Ledigen, im Kanton St.Gallen als vergleichsweise hoch.