Wenn es «wärmelet» kennen Raumklima-Füchse die gängigen Tipps: Querlüften frühmorgens und/oder spätabends sowie tagsüber die Storen runterlassen (Verdunkeln). Nun war aber die Situation so, dass durch die Tropennächte auch diese Tipps nicht viel nützten: Es bildeten sich Hitzeinseln in den Innenräumen.
Die schnelle, unbürokratische Abhilfe: Klimageräte. Die waren wohl der heissbegehrteste Artikel im Toggenburg. Dabei gibt es drei Typen: Mobile Klimageräte, Split-Klimaanlagen und mobile Split-Geräte.
Vorteile mit PVA
Mobile Klimageräte haben den Nachteil des hohen Stromverbrauchs und die eingestellte Temperatur wird oft nicht erreicht. Das hat einen bestimmten Grund: Wird der Abluftschlauch durch ein Fenster oder eine Türe gelegt, gelangt gleichzeitig auch warme Luft ins Innere.
Die zweite Kategorie, die Splitklimageräte benötigen eine Baubewilligung und es müssen Anforderungen erfüllt sein, wie baulicher Wärmeschutz, Energieeffizienz, Lärmemission des Gerätes etc. Und eine zusätzliche Angabe ist knifflig: Für die Berechnung einzelner Werte, wie der Wärmespeicherfähigkeit des Gebäudes oder der internen Lasten – der Wärmeabgabe durch Geräte und Personen, muss wohl ein externer Profi dazugezogen werden. Wird der für den Betrieb des Klimageräts benötigte Strom von einer gebäudeeigenen Photovoltaikanlage erzeugt, gibt es gewisse Lockerungen.
Es gibt eine Win-win-Situation: Dann, wenn Klimaanlagen am meisten leisten müssen, gibt es genügend günstigen Strom. Die Stromproduktion durch Photovoltaikanlagen läuft auf Hochtouren. Wird eine Kombination aus Photovoltaik und Split-Klimaanlage gewählt, betreibt man die Klimaanlage weitgehend CO2-neutral und kostengünstig. Dabei gilt zu beachten, dass man nicht unnötig runterkühlt (24 bis 25 Grad reichen) und die Anlage wird gezielt dann in Betrieb genommen, wenn die Sonne scheint.
Dazwischen positionieren sich seit Kurzem mobile Split-Geräte. Deren Innenteil steht wandnah im Raum, das kompakte Aussenteil wird auf einer Fensterhalterung oder auf dem Balkon platziert – verbunden durch eine flache Leitung für das Kältemittel. Sie sind fixfertig vormontiert ist und bestehen aus einem Innenteil, das wandnah im Raum steht und einem kompakten Aussengerät mit Wärmetauscher, das beispielsweise auf einem Balkon steht. Das entstehende Kondenswasser wird nach aussen abgeführt, wodurch kein Wartungsaufwand entsteht.
Umweltschonend mit Wärmepumpe
Schon heute wird beim Neubau von EFHs darauf geschaut, wenn sie mit Flächenheizsystemen (Fussbodenheizung) ausgestattet sind, dass die Wärmepumpen mit den zusätzlichen Bauteilen ausgestattet sind, um diese im Sommer als Kühlsystem zu nutzen. Die Räume sind mit einem Thermostat ausgerüstet. Auch das Umrüsten bei bestehenden Bauten ist ein grosses Thema bei Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern. Energieeffiziente und umweltschonende Kühllösungen sollten im Vordergrund stehen. Eine gute Lösung sind Wärmepumpen mit Kühlfunktion. Mehr dazu erklärt Bruno Huber, Inhaber und Geschäftsführer von Edwin Keller und Partner AG Gebäudetechnik in Gossau.
Interview mit Bruno Huber, Inhaber und Geschäftsführer von Edwin Keller und Partner AG Gebäudetechnik in Gossau
Mit der Erdwärmesonde zum «Free-Cooling»
Kühlen mit Wärmepumpe tönt paradox. Wie funktioniert dieses System?
Bruno Huber: Wenn man eine Sole/Wasser-Wärmepumpe hat kann über die Erdsonde gekühlt werden. Die kühle Sole wird über einen Plattenwärmetauscher an die Heizgruppe übergeben. Das kühle Wasser zirkuliert über die Fussbodenheizung und kühlt die Masse des Unterlagsboden. Es ist wichtig das der Taupunkt beachtet wird, ansonst kommt es zu Kondensatschäden im Unterlagsboden.
Was sind die Vorteile einer Wärmepumpe mit Kühlfunktion?
Huber: Es wird nur ein sehr geringer Stromanteil für die Wasserzirkulationsbenötigt, die Kälte kommt frei aus dem Untergrund. Das System wird daher als Free-Cooling bezeichnet.
Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Kühlung?
Huber: Mit einer aktiven Kühlung wird eine definierte Zieltemperatur erreicht, die Kälte wird aktiv (z.B. Kältemaschine) erreicht. Dafür wir meistens auch ein eigenes Kälteabgabesystem verwendet (z.B. Umluftgeräte).
Bei der passiven Kälte werden die vorhandenen Komponenten und Anlagen verwenden, es wird keine definierte Zieltemperatur angestrebt. Man nimmt das, was der Untergrund und das System hergibt.
Haben Sie, nach dem Hitzesommer 2026, mehr Anfragen nach Wärmepumpen mit Kühlfunktion?
Huber: Wir haben generell mehr Anfragen zum Thema Kühlung.
Welche Bedingungen muss eine Wärmepumpe oder Haus erfüllen, damit sie nachgerüstet werden kann?
Huber: Man benötigt eine Erdwärmesonde um Free-Cooling zu betreiben. Wenn diese vorhanden ist kann das praktisch mit jeder Wärmepumpe umgesetzt werden.
Es gibt auch Lösungen mit Luft/Wasser-Wärmepumpe, dort wird aber teilweise aktiv Kälte produziert. Man kann dann nicht von Free-Cooling sprechen.
Gibt es saisonal eine günstige Zeit die Wärmepumpe aufzurüsten?
Huber: Grundsätzlich sollten Anpassungen/Eingriffe ausserhalb der Heizperiode gemacht werden, somit wäre der Frühsommer das beste Zeitfenster. Somit kann im Sommer der Kühleffekt gleich überprüft werden.
Gibt es eine staatliche Förderung?
Huber: Nein, das Free-Cooling wird nicht gefördert.
Text: Patricia Wichser
Bildlegenden: Wärmepumpe_A: Ist die Wärmepumpe mit einer Erdwärmesonde ausgestattet kann sie zum Free-Cooling aufgerüstet werden. Bild: energietal toggenburg
Wärmepumpe_B: Kühlgeräte und Klimaanlagen waren diesen Sommer heissbegehrt. Bild: magnific


